Test: Tales from Heaven
Wie viele Amiganer haben nicht schon oft neidisch auf den PC oder die aktuellen Spielekonsolen geschaut, für die neue Spiele in Unmengen zu kaufen sind? Mittlerweile werden zwar auch wieder technisch halbwegs aktuelle Spiele für den Amiga entwickelt oder auf den Amiga umgesetzt (wie z.B. Heretic 2 oder Wipeout 2097), ein 3D-Kump'n'Run war aber bislang nicht dabei... "Tales from Heaven" von Darkage Software schickt sich nun an, mit diesem Mißstand aufzuräumen.
von Dennis Pauler
Ein Demo macht Furore
Als im Herbst 1998 ein erstes spielbares Demo von "Tales
from Heaven" im Internet auftauche, war die Amiga-Spiele-Szene
in heller Aufregung. 3D-Landschaften waren bis dahin zwar schon
von diversen 3D-Shootern bekannt, ein Jump'n'Run war aber noch
nicht im Angebot. Zudem versprach das Spiel abwechslungsreich zu
werden und technisch dabei voll auf der Höhe zu sein - schon auf
einem 68040-Prozessor war das Demo gut spielbar.
Auch in der (Online-)Presse wurde viel berichtet, so gab es z.B.
ein Preview in der AmigaFever und das Demo wurde Demo des Monats
bei der Website AmigaFlame.
Die Stunde der Wahrheit
Nach einer langen Wartezeit ist es jetzt endlich soweit:
"Tales from Heaven" ist seit der "World of
Alternatives 2000" zu haben. Ganz im Stil des Konsolenhits
"Super Mario 64" präsentiert sich dem Spieler eine 3D-Landschaft,
in der er sich frei bewegen kann, im Gegensatz zu den meisten 3D-Shootern
sieht man die Umgebung jedoch nicht aus der Ego-Perspektive,
sondern hat die eigene Spielfigur á la Tomb Raider jederzeit im
Blick. Wie bei diesem Genre üblich, läuft und springt man auf
der Suche nach dem Ausgang umher, wobei die Landschaft hier bei
jeder Drehung stufenlos rotiert und so den Blick auf die
angepeilte Richtung freigibt.
Nach einem kleinen Intro findet man sich auf einer in den Wolken
hängenden Insel wieder und fühlt sich schon nach kurzer Zeit in
die Spiel-Welt versetzt. Man kann sich frei bewegen, außerdem läßt
sich die "Kamera" - also das Auge des Betrachters - um
die Spielfigur herumbewegen und im Blickwinkel verändern. Die
ersten Gegner befinden sich schon im Anmarsch und Hindernisse wie
erhöhte Plattformen erschweren die Suche nach dem Schlüssel zum
Tor in den nächsten Level. Neben dem Schlüssel finden sich auch
Bonuspunkte sowie Waffen, mit denen man sich zur Wehr setzen kann.
Die Steuerung ist zunächst gewöhnungsbedürftig, wenn man aber
erst einmal damit zurecht kommt, ist nur noch gutes Zielen beim
Springen nötig, um sich sicher umher zu bewegen.
Die Grafik
Die Umgebung besteht aus mehr als
2000 Polygonen, was für Amiga-Verhältnisse und anhand der
Tatsache, daß keine Grafikkarte zum Spielen erforderlich ist
schon ganz beachtlich ist. Der Hintergrund wird zudem durch aus
Plasma-Effekten bestehende Wolken aufgelockert - trotz allem ist
das Spiel aber selbst auf einem 68040er unter AGA schon recht flüssig.
Genau dieser Umstand ist in der heutigen Zeit aber auch ein großes
Problem: Dadurch, daß weder ein PowerPC-Prozessor noch eine 3D-Grafikkarte
unterstützt werden, erscheinen die Landschaften dem durch die
detaillierten Welten von "Heretic 2" verwöhnten
Spieler doch arg spartanisch und ruckelig.
Das Gameplay
Doch was ist schon Grafik ohne das dazugehörige
Gameplay? Leider liegt auch hier vieles im Argen, um genau zu
sein sogar noch mehr als bei der Grafik. Ist die Steuerung von
Plattform zu Plattform nach einer Eingewöhnungszeit noch
meisterbar, so machen die Gegner, die in den Levels ihr Unwesen
treiben, das Game nahezu unspielbar. Einer mit einem
Zielsuchsystem ausgerüsteten Rakete gleich kommen sie immer
genau auf die Spielfigur zu - in direkter Linie! Durch dieses
quasi nicht vorhandene Eigenleben wird ein Ausweichen zum Glücksspiel
(besonders hier macht sich die nicht gerade einfache Steuerung
bemerkbar) und spätestens im zweiten Level werden viele das
Handtuch werfen, wenn von allen Seiten her aus nächster Nähe
etliche Gegner den Spieler umzingeln und ein Entkommen fast unmöglich
machen. Daß nach dem ersten Feindkontakt genauso wie bei einem
Absturz von einer Plattform bereits ein Leben verloren geht,
macht das Spiel nicht einfacher...
Fazit
Wer also nicht gerade ein Crack
ist, dem andere Spiele eigentlich schon immer viel zu einfach
waren, der wird nicht viel davon haben, daß das Spiel aus
insgesamt 4 Welten mit je 4 Unterlevels besteht. Die Musik ist
recht gut, bei Effekten oder gar Sprachausgabe sieht es jedoch
wieder sehr dünn aus. Ausgeliefert wird das Spiel auf CD in
einem Jewelcase, die Anleitung besteht nur aus einer kurzen
Vorgeschichte - auf eine schicke Schachtel oder irgendwelche
Goodies wurde verzichtet.
Die Mindestvoraussetzungen für "Tales from Heaven"
sind ein AGA-Rechner mit 68030-Prozessor, 8 MB Fast-RAM und ein
CD-ROM, Grafikkarten werden unterstützt. Wer diese Voraussetzung
jedoch gerade so eben erfüllt, der sollte von dem Spiel lieber
die Finger lassen. Alle anderen sollten sich das Spiel nur dann
zulegen, wenn sie viel Zeit und Geduld haben (um sich durch das
Spiel durchzubeißen und dabei Level für Level immer wieder zu
spielen) oder wenn sie aus Sammelleidenschaft sowieso jedes neue
Amiga-Spiel kaufen.
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