Schlagseite: Was denn, noch ein neues Produkt?
(Achtung, Satire-Alarm!)

von Dennis Pauler

Der Amiga-User hat's schon schwer. Jahrelang wurde er vertröstet und mit Versprechen hingehalten. Schon Weihnachten 1994 kündigte z.B. David Pleasance, der Chef der britische Commodore-Niederlassung, den Amiga 1300 CD an (mit eingebautem CD-ROM und 33 MHz-Prozessor). Es folgten der Staubsauger (auch bekannt als Amiga-Walker), der QNX-Amiga, der MCC und nun warten alle auf den Amiga1. Eine solche Geschäftspraxis färbt natürlich ab: Ganz im Stil von Amiga selbst (und anderen kleinen Firmen auch, wie z.B. Micro$oft) tritt bei immer mehr Unternehmen die Produktankündigung offensichtlich weit vor die Produktentwicklung (Murphy's Gesetz sagt dazu: "Irgendwann werden alle Firmen dazu übergehen, ihre Produkte nur noch anzukündigen, um sich die teuren Entwicklungskosten zu sparen."). Alleine mit den ganzen versprochenen G3/G4-Turbokarten könnte man so manche Straße pflastern...

Ready, steady, go!

Aber es geht auch anders: Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Amiga-Firmen gelernt haben, auf plötzlich auftretende Nachfrage zu reagieren. Nachdem beispielsweise PCI am Amiga lange Zeit kein Thema war (Wozu soll ich ein PCI-Busboard entwickeln, die Leute wollen im Moment doch PPC-Karten?), gibt es nun, da PCI auf einmal "In" ist, gleich mehrere (natürlich zueinander komplett inkompatible) Produkte zur Auswahl.
Dass dies bei der augenblicklichen Marktsituation auch nicht so ganz im Sinne des Anwenders sein kann (von einer Standardisierung mal ganz abgesehen), dessen ist sich der mündige und marktwirtschaftlich gebildete Amiganer selbstverständlich bewusst. Konkurrenz bedeutet weniger Absatz, weniger Absatz (noch weniger) bedeutet weniger Gewinn (oder mehr Verlust) und das führt über kurz oder lang zu Firmenpleiten (siehe Phase 5). Soweit, so schlecht (ach, wenn sich diese Erkenntnis doch auch bei den Firmenchefs mal durchsetzen würde - zu entwickelnde Produkte gäbe es ja genug, warum muss es dann immer das sein, was der andere macht - aber im Sandkasten ist das ja auch nicht anders, das Spielzeug, was der andere hat, ist ja auch immer schöner - hoppla, die Klammer muss wieder zu...) und was auf Hardware zutrifft, kann bei Software ja wohl kaum anders sein, oder?

"Brauchen wir denn noch einen WB-Ersatz?"

Scalos, Dpous, DDos, Workbench - wer soll sich da noch entscheiden können?Workbenches z.B. - davon haben wir doch mehr als genug. Nach der Original-WB, der pOS-WB, DirectoryOpus, Scalos und den Möglichkeiten die originale Workbench nach belieben zu verändern, brauchen wir da wirklich noch einen WB-Ersatz wie DirectDos (das noch nicht einmal ein vollständiger Ersatz ist) ? Leidet unter diesem Wildwuchs nicht der Markt? Sollten die Programmierer nicht lieber mit AmigaInc zusammenarbeiten und eine einheitliche Workbench bauen, die ein standardisiertes Aussehen hat und alle Vorteile vereint? Wie schon Micro$oft erkannt hat: Wildwuchs erzeugt Inkompatibilität und verwirrt nur den Benutzer, und beliebig konfigurierbare Oberflächen sind eh nur was für Spielkinder und Linux-Benutzer (das neue Weichei-Wort der profe$$ionellen $oftware-Indu$trie)...
Und was auf Betriebssysteme zutrifft, das muss für Spiele und Anwendungen ja erst recht gelten: Wer braucht schon zig 3D-Shooter? Einer würde doch reichen, um die Aggressionen abzureagieren. Wofür braucht man mehrere Textprogramme? Mehr als einen Brief auf einmal kann man ja sowieso nicht tippen. Und wofür braucht man eigentlich mehr als eine Meinung? Wenn sich alle endlich mal einig wären, gäbe es auch viel weniger Streit auf der Welt...


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