Die Informationsflut
Das Internet hat der Menschheit viele Annehmlichkeiten beschert. Es ist wesentlich einfacher geworden Kontakt zu "Gleichgesinnten" zu halten. In Extremform profitieren davon mit Sicherheit die Amigauser, ohne das Internet dürfte der Amiga spätestens 1997 endgültig von der Bildfläche verschwunden sein. Ist er jedoch nicht. Zumindest wenn man genauer hinschaut.
von Falk Lüke
Das Internet bietet allen Interessengruppen ausreichend Platz und
Gelegenheit um sich über ihre Themen auszutauschen, es bietet Informationen
en Masse.
Informationen die teils von sogenannten StartUps, von "Informations-Brokern"
und alteingesessenen Nachrichtentickern und Verlagen publiziert werden.
In einem Tempo, mit dem die Formel 1 nicht mithalten kann - die Nachricht
über den Sieg des Fahrers ist zu 90% fertig wenn dieser die Ziellinie überquert.
Genauso geschieht es mit allem zum Thema Amiga. Zahlreiche Seiten bieten
den interessierten Usern die Möglichkeit alles neue und wissenswerte
über ihr Lieblingssystem zu erfahren. Meist innerhalb weniger
Minuten.
Leider bleibt mit dem Tempo der Meldungen die Tiefe derselben meist auf
der Strecke.
Lieber werden 5 kurze Meldungen herausgegeben als eine zusammenfassende.
Die Vielfalt ist überwältigend. Alleine die Zahl der Meldungen die Seiten
wie Amiga-News.de, CzechAmigaNews, ANN oder amiga.org täglich herausgeben
ist mehr als die meisten User konsumieren können oder wollen.
Dazu kommen die Informationen, die auf den unbekannteren Newsseiten publiziert
werden und nicht alle den Weg auf die "Fab4" schaffen.
Aufgrund des Arbeitsaufwands werden die meisten Informationen weitgehend
ungefiltert an die Leser weitergegeben - roh und nur selten auf den Grad an
Wahrheit überprüft. Es wird vom Leser weit mehr verlangt als wenn er die
ausgearbeiteten, recherchierten Texte der früher einmal so populären
Printmagazine liest.
Der Leser muss also eine gewisse Kompetenz in der Einschätzung der Newsmeldungen
erwerben. Er muss ihren Wahrheits- und Sinngehalt kritisch überprüfen, er
muss sich überlegen ob die gebotene Information nicht aus rein werbetaktischen
Gründen publiziert wurde. Alles Dinge, mit denen sich früher die Redakteure
der Zeitschriften herumschlagen mussten. Die dies jedoch täglich taten und
in den meisten Fällen mit ihren Bewertungen richtig gelegen haben dürften.
Nun ist die Reihe am Leser. Er muss sich selbst überlegen, wieviel eine
Information Wert ist.
Der wachsende Anspruch an die Leser ist umgekehrt natürlich in der Umkehr
auch ein wachsender Anspruch an die Macher verbliebener Print-Magazine.
Der Leser als solcher ist kritischer geworden.
Denn das was die Redaktion macht, das tut auch der Leser inzwischen täglich.
Nachrichten filtern und auf ihr Gehalt zu überprüfen. Die Stärke eines
modernen Printmagazines kann folgerichtig nicht mehr die Beschaffung
vordergründiger Newsmeldungen sein.
Printmagazine müssen sich auf ihre Stärken verlegen - ausführliche Recherche,
Grundlagen und Hintergrundinformationen, die für vierzeilige Newsflashes zu
umfassend und aufwendig sind. Und, nicht zu vergessen, das Lesen eines
ebensolchen Printmagazines muss dem Leser Spaß machen.
Erinnert sei hier an den im Januar 2001 endgültig "von uns gegangenen" Joker Verlag.
Lesen muss ein Happening sein. Es muss sich lohnen, bei einem Abonnement auf
den Postboten zu warten.