Quo Vadis Paula?
Prelude - eine Soundkarte setzt sich durch

Man kann nur sagen: endlich! Endlich setzen sich auch auf dem Amiga die Soundkarten durch. Sie finden immer mehr Softwareunterstützung und katapultieren den Amiga in eine völlig andere Dimension des Klangs. Waren bisher die 8 Bit des Paula-Chips (14 Bit mit hörbaren Verzerrungen und auf Kosten der Rechenleistung) die Krönung der Gefühle, verwöhnen uns die Soundkarten mit 16 Bit und mehr in CD-Qualität. Wir haben uns eine der vielversprechendsten Soundkarten einmal rausgepickt und sie nach langer Marktbeständigkeit noch einmal unter die Lupe genommen, in der Hoffnung, daß eine Soundkarte bald zur Standardausrüstung eines Amigas gehören wird...

von Markus Holler

Um es gleich vorweg zu sagen: Vergleiche mit PC-Soundkarten sind hier fehl am Platz. Preiswerte 16 Bit-Soundkarten, die als Massenware für den PC schon ab DM 20.- angeboten werden, sind nicht immer das, was sie scheinen. Denn meist klingen diese Karten noch schlechter als die Klangausgabe über den Paula im Amiga, von rauscharm kann hier keine Rede sein, und performanceschonend sind sie meist auch nicht. Sprich: wer eine billige Soundkarte für den Amiga haben möchte, wird erstens keine finden und zweitens könnte er sich diese auch schenken!

Warum eine Soundkarte?

Diese Frage stellen sich jetzt vielleicht einige Amiganer. Gegenfrage: wieso eine Grafikkarte, wenn es der AGA-Modus doch auch tut? Also ganz einfach: Soundkarten eröffnen dem Amiga neue Klangwelten. Sprachausgabe, die klar ist und nicht „lisbelt“ wie bei der 8 Bit-Quantisierung, kristallklarer Sound in CD-Qualität, geringes Rauschen, hohe Dynamik und das bei geringer Prozessorbelastung sind nur einige Vorteile, die eine Soundkarte bietet; immer mehr Spiele werden diese künftig unterstützen. Eine hochwertige Soundkarte am Amiga ist auch für Musiker äußerst interessant. Wer träumt nicht von Mehrspur-Harddiskrecording? Zur Tonbearbeitung gibt es auch auf dem Amiga Software, mit der man durchaus professionelle Studioarbeiten erledigen kann (z.B. Samplitude Opus).

Warum erst jetzt?

Soundkarten gibt es schon seit geraumer Zeit. Schon vor Jahren wurde mit der Toccata ein quasi-Standard gesetzt. Doch auf den Zug sind nur wenige Hersteller aufgesprungen, Toccata konnte sich nicht als Standard etablieren. Anders bei Grafikkarten: hier gab es schon recht früh CybergraphX, an dem sich alle Kartenhersteller orientierten. Erst mit der Einführung von AHI (siehe Kasten 1) fand sich ein weit akzeptierter Standard. Dank AHI-Unterstützung konnte man kartenunabhängig auf die Soundausgabe und -eingabe zugreifen.

AHI

Der geistige Vater von AHI ist Martin Bloom. AHI bedeutet nichts anderes als „Audio Hardware Interface“ und ist etwa vergleichbar mit dem, was CybergraphX für Grafikkarten ist: Eine kartenunabhängige Schnittstelle, mit der man Audio-Commands übertragen kann. Selbst den Paula-Chip des Amiga kann man über AHI ansprechen. So können Softwarehersteller ihre Programme so konfigurieren, dass eine Soundausgabe über alle AHI-kompatiblen Soundkarten erfolgen kann, ohne daß sie die Routine speziell für jede Soundkarte schreiben müssen. Selbst größere Soundeingriffe wie z.B. die Steuerung eines DSPs (Digital Signal Processor) kann man, dank Applikationen, ohne Probleme über AHI durchführen.
Die Performance unter AHI ist bei Benutzung des Paula-Chips etwa vergleichbar mit der, wenn man den Chip direkt anspricht. Benutzt man hingegen eine Soundkarte (wie die Prelude), so ist es fast immer besser, die Karte direkt anzusprechen, da sonst unter Umständen deutliche Geschwindigkeitseinbrüche zu verzeichnen sind.
AHI ist Freeware, es soll jedoch in Kürze eine PPC-Version davon erscheinen, die als Shareware in die Amigagemeinde gehen wird (Registrierungskosten US $15).

Die Prelude

Und so sieht sie aus, die PreludeDiese Karte stammt aus dem Hause ACT und bietet durchaus professionelle Features. Es gibt sie bereits seit knapp vier Jahren als ZorroII-Version und neuerdings auch als Prelude1200 für den Uhrenport des Amiga1200. Der Unterschied zwischen den Karten ist in der Grundversion relativ gering: dieselbe rauscharme Schaltung mit denselben Wandlerdaten. Die Uhrenportversion dürfte sehr interessant sein für Spielefans und Otto-Normal-User, doch wir wollen uns hier erstmal die Zorrokarte anschauen. Diese wendet sich eher an den musikalisch ambitionierten Amiganer. Der Grund: Einzeleingänge und die fantastische Erweiterbarkeit! So gibt es eine MIDI-Karte mit Platz für ein Wavetabledaughterboard, einen Hardware-MPegDecoder und es ist sogar eine Digitalschnittstelle in Planung, die in Kürze erscheinen wird (siehe auch Kasten Erweiterungsboards für die Prelude ZII).Die Prelude ZII besitzt vier Stereo-Chincheingänge, drei davon als Buchsenpaar sowie ein Steckerpaar zum direkten Anschluß an den Amiga. Somit kann, dank des beliegenden Software-Mixers, die Paula-Ausgabe ohne weiteres durchgeschliffen werden. Man braucht kein Mischpult und spart sich lästiges umstecken von Kabeln, will man sich auch mal wieder ein paar Mods zu Gemüte führen oder Spiele zocken, deren Soundausgabe nicht über AHI läuft. Gewandelt wird in 16 Bit bei variabler Samplingrate (bis zu 64 KHz!).Wenn man sich die Karte genauer ansieht, findet man dort als Herz einen Crystal-Soundchip, ein bewährter Audioprozessor, der sich auch auf mancher Profikarte für den PC wiederfinden läßt (z.B. die Meestro). Die Karte ist mit einem 2kB FIFO-Cache ausgestattet, je 1 kB für die Aufnahme und 1 kB für die Wiedergabe. Somit wird eine flüssige Soundausgabe garantiert. Ebenso findet man auf der Platine die Möglichkeit, bis zu zwei interne Signale anzuschliessen (wie etwa das Audiosignal eines CDRoms) oder einen internen Lautsprecher. Auch eine Anschlußmöglichkeit für Erweiterungen (siehe Kasten) ist vorhanden..

Die Installation

Die Installation ist denkbar einfach: Amiga auf, Karte rein, Amiga zu, Software instalieren, fertig! Die Karte nimmt einen Zorrosteckplatz ein und ist verkürzt, d.h. sie hat keine volle Baulänge. Benötigt zum Betrieb werden lediglich die prelude.library und einige karteneigene Tools (unter anderem ein Softwaremixer, der die Aus- und Eingabelautstärke regelt). Danach kann man die Prelude ohne weiteres in AHI als Ausgabemedium anwählen und kommt in den Genuß von CD-Quality-Audio.

Der Klang

Die Prelude klingt ausgesprochen sauber und rauscharm. Das, was man reinschickt, kommt auch wieder raus. Dabei verfügt diese Karte über ein erstaunliches Frequenzspektrum. Während die meisten anderen Soundkarten einen Frequenzgang von 20 Hz bis etwa 18 KHz besitzen, legt die Prelude noch eins drauf: Subbässe bis runter auf 5 Hz (!) sowie Höhen in den Bereich von etwa 30 KHz (bei maximaler Abtastrate von 64 KHz, siehe Grafik: Frequenzgang) stellen erst die Grenzen für sie dar. Bei der Standardabtastrate von 44,1 KHz kommt die Prelude immerhin noch auf gute 20 KHz. Man beachte die logarithmische Darstellung der Frequenz gegenüber der linearen Darstellung der Dynamik. Die Abweichungen von der absoluten Nulllinie sind minimal, sie liegen im Bereich von 20 Hz bis 15 KHz nur zwischen 0.0 dB und -0.2 dB. Ein Frequenzgang wie mit dem Lineal gezogen; so sollte es immer sein!
Somit ist sie in keiner Weise vergleichbar mit der Ausgabe des Paula, nicht einmal im Ansatz. Bei der Prelude bleibt ein gesampelter Streicher immer noch ein Streicher, und wandelt sich nicht in ein zischelndes Etwas.

Die Software

Eine richtig gute Soundkarte braucht auch eine richtig gute Software, die direkt (und nicht über AHI) auf diese zugreifen kann. Dies ist auch bei der Prelude der Fall. Der direkte Zugriff auf die Karte hat zum einen einen teils erheblichen Performancevorteil, zum anderen sind bestimmte Aktionen nur über diesen Weg möglich. Angefangen mit dem Profitool SamplitudeOpus aus eigenem Hause über Play16, AmigaAmp bis hin zu Audiolab16 verfügt jedes Programm über die Möglichkeit, direkt auf die Prelude zuzugreifen. Man kann wohl behaupten, daß die Prelude eine der bestunterstützten Karten ist, die es momentan auf dem Markt gibt.
Die Software zur Prelude liegt serienmäßig auf einer CD bei oder ist im Internet auf der Preludeseite abrufbar. Der Inhalt der CD umfaßt unter anderem ein einfaches Tool, mit dem man problemlos z.B. ein AIFF-File in 16 Bit über die Soundkarte aufzeichnen kann und eine Version von Play16, um dies wieder abzuspielen. Aber auch Demoversionen von AudioLab16 oder SamplitudeOpus sind hier zu finden.

Fazit

Angesichts der Leistung, die die Prelude bringt, ist der Preis durchaus gerechtfertigt. Die ausgezeichnete Erweiterbarkeit machen diese Karte vor allem (aber nicht nur) für Musiker interessant, die wegen der Harddiskrecording-Möglichkeiten schon lange neidisch zu anderen Plattformen schielen. Vielleicht wären ein paar mehr Auskangskanäle für das Studio nicht schlecht gewesen, aber mit dem hier gebotenen kann man schon mehr als zufrieden sein. Welcher Musiker setzt seine Wünsche nicht gerne über die Maßstäbe des Gegebenen?

Technische Daten

Wortbreite 16 Bit
Samplingrate 5 Hz bis 64 KHz
FullDuplex2 kB FIFO-Cache

Eingänge:
- 3 * Stereo Chinch-Buchse
- 1 * Stereo Chinch-Stecker

Ausgänge
- 1 * Stereo Chinch-Buchse

Rauschabstand bis zu 87 dB
Kanaltrennung => 85 dB

 

Die Erweiterungsboards für die Prelude ZII

So einfach kann General MIDI seinDer Rombler

Der Rombler wird einfach auf die Soundkarte aufgesteckt und bietet dann einen normalen MIDI-Anschluß an einem Gameport-Ausgang. Mit einem handelsüblichen Standard-PC-Anschlußkabel (Gameport/MIDI) kann man somit seinen Amiga preisgünstig um ein MIDI-Trio (In/Out/Thru) erweitern. Ferner bietet der Rombler die Möglichkeit, sein Amigasystem mit einem GM/GS/XG-kompatibelen Wavetabledaughterboard nachzurüsten (z.B. das Yamaha DB50XG). Ein günstiger Einstieg in die Welt des General Midi. Der Rombler ist bereits im Handel erhältlich und kostet DM 99.-


Der MPEGIt!: So unscheinbar, und doch so praktischMPEGIt

Hierbei handelt es sich um einen Hardware-MPeg-Decoder, der MPegs Layer II und III nahezu ohne CPU-Belastung (!) in höchster Qualität abspielen kann. Besitzer einer schwächeren CPU werden dies zu schätzen wissen... MPEGIt ist ebenfalls im Handel erhältlich und kostet DM 299.-


Der Arpeggiator

Der Arpeggiator ist die Digitalerweiterung für dir Prelude, die in keinem Tonstudio fehlen darf... Sie soll in Kürze rauskommen und bietet optische und koaxiale Ein- und Ausgänge im S/P-DIF Format. Die Vorteile liegen auf der Hand: man kann digitale Geräte in die Klangbearbeitung mit einbinden und spart sich somit zwei Wandlungsvorgänge (die immer eine minimale Klangeinbuße bedeuten) oder man kann generell Analogsignale extern wandeln (z.B. mit einem DAT-Recorder) und hat somit die Störeinflüsse der internen Geräte wie Festplatten oder Grafikkarten umgangen.

 

Produktname: Prelude ZorroII
Hersteller: ACT
Zu haben bei: jedem guten Amiga-Fachhändler oder direkt bei ACT, Seth 2, 21769 Lamstedt
Preis: DM 380.-

Internetadressen:

Prelude: http://www.act-net.com/prelude
Samplitude:
http://samplitude.amiga-software.com
AmigaAmp:
http://amigaamp.amiga-software.com
Play16:
http://play16.amiga-software.com
AHI:
http://www.lysator.liu.se/~lcs/ahi.html

 

Prelude Z2

MINUS
- nur ein Ausgangspaar

- sehr gute Klangqualität
- AHI-kompatibel
- professionell erweiterbar
- einfache Installation
- sehr gute Softwareunterstützung
- guter Support
PLUS


 

68k

512kB
Fast RAM

 

OCS

HD

CD

 

 


zurück zur Artikelübersicht