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geführt von Felix Schwarz
Amiga Fever: Wer arbeitet an dem Projekt?
Claus Herrmann: Am Projekt arbeitet ein Team von Software-Entwicklern, die sich schon durch andere Amiga-Programme (auch für PPC) einen Namen gemacht haben.
Amiga Fever: Wann und wo wird das neue OS verfügbar sein?
Claus Herrmann: Erste lauffähige Beta-Versionen frühestens August/September. Auf jeden Fall werden wir versuchen, auf der Amiga 99 (Anm. d. Red.: Home Electronics World 99) etwas zeigen zu können.
Amiga Fever: Welche Teile des OS sind bereits umgesetzt/fertig?
Claus Herrmann: Wir haben das PowerEXEC-, PowerGFX- und das PowerDOS-Modul fertig. Auch kleinere Devices sind schon in Arbeit. Erste Beta-Versionen für den User werden frühestens ab August/September verfügbar sein. Auch sind schon kleinere Tools für Programmierer geschrieben.
Amiga Fever: Welche Compiler stehen dem Programmierer für eine Portierung zur Verfügung und wird es möglich sein, C-Sourcecode zum großen Teil ohne Änderungen einfach nur neu zu kompilieren?
Claus Herrmann: Genau das ist unser Ziel. Der Programmierer soll einfach neue Includes, Pragmas und FD-Files verwenden und das Programm soll auf dem OS laufen. Somit kann der Software-Entwickler erst einmal sein Programm für PPC anbieten. Später kann er die neuen Features der neuen Libraries dann nachträglich einbauen und nutzen. Wir werden Includes/Pragmas/FD-Files für den GNU/EGCS beipacken, so daß jeder User sofort mit der Portierung/Programmierung anfangen kann.
Amiga Fever: Wie kompatibel ist die API des OS zum AmigaOS?
Claus Herrmann: Wir haben API-kompatible Libraries, die dann intern auf die neuen Libraries des OS zugreifen. Eine Art von Huckepacksystem.Amiga Fever: Existiert eine Abhängigkeit von den Custom-Chips des Amiga?Claus Herrmann: Nein, es besteht keinerlei Abhängigkeit zu den alten Chips des Amigas. Unser Ziel ist es, das OS portierbar zu halten. Wir wollen nicht noch einmal in eine Sackgasse gelangen. Was machen wir, wenn es in 5-10 Jahren neue Architekturen gibt und wir wieder in die Röhre schauen müssen?
Amiga Fever: Wie gut ist die Portierbarkeit des OS selbst? Wäre es denkbar, in der Zukunft auch auf andere PPC-Lösungen als die z. Zt. benutzte PowerUP-Karten-Lösungen auszuweichen, evtl. sogar komplett andere Motherboards von Motorola, Apple, IBM, Pios oder anderer Hersteller?
Claus Herrmann: Die PowerUP-Version des OS ist erstmal als Entwicklerversion und Übergangssystem gedacht. Somit können die Anwender erstmals das neue System nutzen, ohne auf gewohnte Tools, Anwenderprogramme etc. zu verzichten.
Amiga Fever: Welche zusätzlichen Fähigkeiten wird das neue OS gegenüber dem aktuellen Stand des AmigaOS haben? Wie sieht es mit der Unterstützung von aktuellen Standards aus?
Claus Herrmann: Das PowerOS wird zum Original zu 95% kompatibel sein. Ob aber die Oberfläche so bleibt, wie es der User gewohnt ist (4-8 Farben :-), steht noch in den Sternen. Sicher ist, daß das OS von Anfang an für Grafikkarten ausgelegt sein wird und somit der Desktop mit vollen 256 Farben und mehr anzeigbar wird. Das neue OS wird sowohl alte Kompatibilitäts-Libraries haben (graphics, dos ..) als auch neue Libraries mit neuen Features. Eines der neuen Features ist auch der komplette 64-Bit Support. Auch denken wir jetzt schon an einen Multiprozessor-Kernel.
Amiga Fever: Wie sind Libraries und Devices unter dem neuen OS realisiert?
Claus Herrmann: Devices und Libraries werden genauso realisiert wie im alten System. Einzige Ausnahme ist die Sprungtabelle. Die Device/Library-Sprungtabelle besteht nicht mehr aus einem Assembler Sprungbefehl (Jmp), sondern aus der effektiven Adresse der Funktion der Library. Das ist aber die einzige Ausnahme. Parameterübergaben, Form und Funktion sind dem AmigaOS angeglichen.
Amiga Fever: Wird es möglich sein, von WarpOS und ppc.lib her bereits existierende ELF- oder EHF-Binaries auszuführen?
Claus Herrmann: Nein, da sowohl Warp-OS als auch PowerUP verschiedene Programm-APIs haben. PowerUP und Warp-OS sind keine standalone Betriebssysteme. Sie beide leben von dem existierenden 68K-OS. Da unser OS bald keinen 68K mehr benötigt, funktionieren Warp-OS/PowerUP auch nicht mehr.
Amiga Fever: Läuft das OS komplett auf dem PPC und wenn nicht, wie wird dieses Manko umgangen?
Claus Herrmann: Das OS läuft zu 100% auf dem PowerPC-Prozessor. Die Resourcen wie Speicher, Grafikkarte, Maus und Tastatur werden direkt vom PPC angesprochen. Wir haben keinen Kontextwechsel. Auch Interrupts werden autonom vom PPC verwaltet. Wie gesagt, das PowerOS soll in Zukunft unabhängig von anderem OS oder Hardware laufen.
Amiga Fever: Wie wird das neue OS gestartet?
Claus Herrmann: Das OS wird wie z.B. der Mac-Emulator Shapeshifter gestartet. Im Konfigurationstool werden Dinge wie Speicher, Grafikkarte etc. eingestellt. Danach ist das OS aktiv. Natürlich ist das nur die PowerUP-Version. Andere Versionen können später z.B. in einem ROM residieren.
Amiga Fever: Wäre in Zukunft auch eine 68K-Emulatorbox denkbar, mit der alte 68K-Software auf dem PPC laufen kann?Claus Herrmann: Natürlich ist sowas denkbar. Wir werden so etwas auch anbieten, wenn es ein Standalone-System mit PPC geben wird.Amiga Fever: Wird das OS über Memory-Protection verfügen?
Claus Herrmann: Nein, Memory-Protection wird das OS nicht haben. Aber es wird erhöhte Sicherheitstechniken haben als das OS 3.1. So z.B. ein Resourcetracking, das den Speicher oder Resourcen freigibt, wenn ein Programm abstürzt. Somit erreichen wir eine PseudoMemoryProtection.
Amiga Fever: Danke für das Gespräch.
Kontaktadresse zum Thema PowerOS: PowerOS@gmx.de