Interview mit Bjorn Lynne alias Dr.Awesome

Wer kennt ihn nicht, den Musiker der Crusaders? Er war einer der ganz großen in der Szene, vertonte einiges an Spielen, und den Namen „Dr.Awesome“ hat jeder Amiganer schon gehört. Wer Bjorn Lynne ist und was es mit seiner Musik auf sich hat, erfahren Sie hier in diesem Interview.

geführt und übersetzt von Markus Holler

Amiga Fever: Erzähle uns etwas über Dich persönlich.

Bjorn Lynne: Geboren wurde ich in Oslo, Norwegen, vor knapp 30 Jahren... Ich wohnte mal hier und mal da, bis ich im Frühling 1995 nach England zog und seitdem lebe ich hier in Wakefield, einer kleinen Stadt im Herzen Englands.

Amiga Fever: Wie alt warst Du, als Du mit der Musik angefangen hast?

Bjorn Lynne: Ich glaube, ich war etwa 16, als ich anfing, meine eigenen Songs zu schreiben. Natürlich hatte ich vorher schon mit Musik zu tun, ich habe z.B. in einer Schulband gespielt etc.

Amiga Fever: Welches Equipment (Computer?) hast Du anfangs benutzt? Gab es eine Pre-Amiga-Periode?

Bjorn Lynne: Oh ja, zu Beginn habe ich gar keinen Computer benutzt, nur einen billigen Synthesizer und ein Kassettendeck. Irgendwann hatte ich dann einen Sinclair ZX Spectrum mit einer Add-on „Midi-Soundkarte“ und einer „Drum-machine“. Als der Amiga dann rauskam, war das natürlich ein riesen Sprung und ich begann wesentlich mehr (und ich hoffe auch bessere) Musik zu machen.

Amiga Fever: Erzähle uns etwas über Deine Karriere als Dr.Awesome. Mit welchem Demo hat alles angefangen?

Bjorn Lynne: Das erste Demo, für das ich den Soundtrack gemacht habe, war für einen Freund. Es war nichtmal eine Gruppe oder so, aber schon da hatte ich den Namen „Dr.Awesome“. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie das Demo hieß, aber ein paar Monate später habe ich mich mit den selben Kerlen und ein paar anderen Amigafreaks zusammengeschlossen und wir haben die Gruppe „Crusaders“ gegründet. Noch in der selben Nacht haben wir uns hingehockt und ein Demo gemacht (Mothership). Ich habe den Soundtrack für das Demo innerhalb von 40 Minuten geschrieben... (lacht) Danach hatten die Crusaders immer mehr zu tun mit dem Schreiben von Demos oder Music-Disks. Ich erinnere mich nicht mehr, wieviele wir eigentlich gemacht haben, aber es war ‘ne Menge! Wir haben auch die ersten beiden Jahre der „Official Crusaders EuroChart“ gemacht.

Amiga Fever: Welches gefällt Dir am Besten?

Bjorn Lynne: Es gab viele bekannte Music-Disks von den Crusaders. Ich glaube, das vielleicht bekannteste ist „Audio-X“. Selbst heute bekomme ich deswegen noch E-Mails. Zu meinen anderen Lieblingen gehören „Bass-o-matic“, „Baceria“ und „Micro Cosmos“. Einer meiner bekanntesten Songs, „12th Warrior“, war auf der „Bacteria“-Disk.

Amiga Fever: Auf welchem Rechner hast Du Deine ganzen Mods geschrieben?

Bjorn Lynne: Ich habe einen ganz gewöhnlichen A500 benutzt.

Amiga Fever: Stehst Du mit der Szene noch in Kontakt? Machst Du noch etwas auf dem Amiga?

Bjorn Lynne: Nein, ich mache nichts mehr „aktiv“ auf dem Amiga, aber ich stehe noch in Verbindung mit den meisten meiner alten Crusaders-Freunde und anderen Freunden aus der Szene.

Amiga Fever: Liegen alle Deine Mods und Demos im Aminet?

Bjorn Lynne: Ein kleiner Teil schon. Einige kannst Du auch unter http://www.crusaders.no finden, aber zusammengenommen sind sie immer noch ziemlich unvollständig. Also habe ich mich vor einiger Zeit dazu entschlossen, eine CD mit einer wirklich kompletten Sammlung von Dr.Awesome-Mods zu machen, für jeden, der daran interessiert ist. Diese CD wurde vor etwas mehr als einem Jahr veröffentlicht, und sie nennt sich „Decade“, weil darauf ungefähr zehn Jahre Dr.Awesome-Werke enthalten sind: Mod-Files, MIDI-Files, XM-Files und massig anderes Zeug. Natürlich findet sich darauf auch eine Menge neuer Kram.

Amiga Fever: Was denkst Du heute über den Amiga? Hast Du noch einen?

Bjorn Lynne: Sicher habe ich noch einen, aber leider benutze ich ihn kaum noch. Es wird sehr interessant sein, zu sehen, ob eine neue Linie von Amigas kommen wird mit einer tollen Hardware und - noch wichtiger - großartiger Software. Ich wäre wirklich froh an dem Tag, an dem ich Software wie ProTools auf einem Amiga laufen lassen könnte.

Amiga Fever: Zu welchen Amigaspielen hast Du den Soundtrack gemacht?

Bjorn Lynne: Mein allererstes Spiel war „Brat“. Ich glaube, die Leute haben einfach meine Musik in einem Crusaders-Demo gehört, und sie wollten, daß ich etwas für ihr Spiel mache. Danach habe ich zu vielen anderen Spielen musikalisch beigetragen, unter anderem „Quak“, „Fantastic Voyage“, „Shanghai“, „Cubulus“, „Airline“ und einen Song in „Project-X“.

Amiga Fever: Inzwischen machst Du unter Deinem richtigen Namen und unter zwei Pseudonymen (Dr.Awesome und Divinorum) Musik. Weshalb?

Bjorn Lynne: Ich mache gerne verschiedene Arten von Musik, von Rock/Pop bis Techno, von Funk bis Klassik/Orchestral, von mittelalterlich bis spacig. Da nicht jeder jede Musikrichtung mag, habe ich mich dazu entschlossen, unter drei Namen drei verschiedene Musikstile herauszubringen. Bjorn Lynne steht für Rock, mit einigen mittelalterlichen oder symphonischen Passagen, Divinorum bedeutet eine CD in Richtung Techno, Trance oder Goatrance. So weiß jeder, worauf er sich beim Kauf einer CD einläßt.

Amiga Fever: Welche Art von Musik ist „Dein Stil“?

Bjorn Lynne: Jeder Stil ist mein Stil! (lacht) Nein, das meine ich wirklich so! Ich liebe Rock, Pink Floyd ist eine meiner Lieblingsgruppen. Aber ich liebe auch Trance. Immer wenn ich Auto fahre, dann höre ich etwas in dieser Richtung. Und für Spiele, die ich vertone, benutze ich gerne orchestrale Musik, die mag ich auch. Also habe ich eigentlich gar keinen Stil...oder habe ich zu viele Stile?

Amiga Fever: Du machst neben Musik für Computerspiele auch Soundtracks zu Büchern. Wie bist Du auf diese Idee gekommen?

Bjorn Lynne: Nun, das war 1997, ich las ein Fantasybuch genannt „Wizard of the Winds“ von Allan Coyle, und ich mochte es sehr. Es hat mich sehr inspiriert, also habe ich angefangen, Fantasymusik zu schreiben, zu den verschiedenen Personen und Orten des Buches. Ich fand die Homepage des Autors, also schrieb ich ihm eine E-Mail und bat ihn um die Erlaubnis, eine CD zu seinem Buch zu machen. Ich war angenehm überrascht, als ich wirklich eine Antwort vom Autor persönlich bekam: er mochte die Idee. Also haben wir’s gemacht. „Wizard of the Wind“ war der erste Teil einer Trilogie, die anderen beiden Bücher werde ich auch noch vertonen.

Amiga Fever: Wie kommt man in Deutschland an Deine CDs?

Bjorn Lynne: Der einfachste Weg ist über meine Website (http://www.lynnemusic.com). Wer keinen Internetzugang hat, kann sie auch bei SynSONIQ Records, c/o E-Trade GmbH, Wilhelm-Leuschner-Platz 6, 63225 Langen in Deutschland bestellen.

Amiga Fever: Als abschließende Frage: Welches war Dein Lieblingsprojekt?

Bjorn Lynne: Hmmm! Das ist eine gute Frage, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Vielleicht war es die Musik zu dem Spiel „Worms“, denn ich mag es sehr. Es ist mein absolutes Lieblingsspiel, und es war eine Ehre für mich, dazu den Soundtrack zu schreiben. Aber auch mein Album „The Void“ hat mir sehr viel Spaß gemacht, denn ich habe wirklich viel Zeit damit verbracht.

Amiga Fever: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!


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